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Oberkommando des Heeres – Bunkerhäuser in Wünsdorf

Letztes Jahr kamen einige Vereinsmitglieder auf die Idee, auch mal außerhalb der Vereinstätigkeiten etwas miteinander zu unternehmen. Da alle Mitglieder unserer Gruppe nicht nur speziell an Bunkeranlagen in Hamburg interessiert sind, kamen einigen interessante Ziele auf den Tisch. Ein konsensfähiges Ziel war jedoch schnell gefunden: Die Hinterlassenschaften des ehemaligen Oberkommando des Heeres in Wünsdorf (Nähe Zossen).

Geschichte

Der Standort Wünsdorf in Zossen ist bekannt durch eine weitreichende militärische Geschichte, welche schon zur Kaiserzeit begann. Die Nähe zur Hauptstadt Berlin und die riesige verfügbare Fläche sorgte für die militärische Nutzung.

Die für unsere Gruppe aber so interessante Nutzung des Areals, begann erst ab 1937 als in Wünsdorf die Bunkeranlagen "Maybach I" für das Oberkommando des Heeres und "Maybach II" für das Oberkommando der Wehrmacht genutzt wurde. Ergänzt wurden die insgesamt 23 Bunkerhäuser umfassende Anlage um einen Fernmeldebunker "Zeppelin" mit der neuesten Technik der damaligen Zeit.

Das Areal bestand aus 12 Bunkerhäusern in der Anlage "Maybach I" und 11 Bunkerhäusern in der Anlage "Maybach II". In jedem Bunkerhaus hatte eine Unterabteilung von Heer bzw. Wehrmacht seinen Sitz. Dies reichte von Bunkerhaus A1 (General der Luftwaffe beim OKH) bis hin zum Bunkerhaus A12 (Stab Chef Nachrichtenwesen). In diesem Zentrum der militärischen Macht wurde im Bunkerhaus A3 (Fremde Heere Ost) der Feldzug "Barbarossa" gegen Russland entscheidend mitgeplant und später aktiv angeleitet.

Das Wort Bunkerhäuser ist hier namentlich korrekt gewählt, denn aus Tarngründen wurde das gesamte Areal einer in die ländliche Umgebung Brandenburgs passende Gutshof-Optik nachempfunden. In Luftaufnahmen der damaligen Zeit war das Areal, wenn nicht bekannt, vermutlich nicht zu erkennen.

Im regulären Dienstbetrieb nutzte man die oberen Etagen für die regulären dienstlichen Tätigkeiten und im Notfall, etwa bei Luftalarm, wurde die genutzte Technik in die darunterliegenden Tiefbunkeretagen verräumt und dort weitergenutzt. Die Technik der Bunkerhäuser war in heutigen Stichworten redundant ausgelegt, somit war eine Diensttätigkeit jederzeit möglich.

Das Areal war während des Krieges wenigen Luftangriffes ausgesetzt, allerdings wurde das Areal nach Kriegsende 1945 von den russischen Streitkräften übernommen und dann zum überwiegenden Teil gesprengt. Aufgrund der massiven Bauweise wurden an allen Bunkerhäusern unterschiedliche Sprengtechniken versucht - der heutige unterschiedliche Zerstörungsgrad der einzelnen Anlage deutet stark darauf hin.

Die Sprengversuche galten auch dem ebenfalls auf dem Areal ansässigen Fernmeldebunker "Zeppelin". Nachdem nur an 2 Punkten in der Tiefbunkeranlage Sprengungen durchgeführt wurden, besannen sich die russischen Besatzer der optimalen Lage und bereits vorliegenden Bausubstanz und nutzen diesen Fernmeldebunker ebenfalls als Nachrichtenbunker mit dem Namen "Ranet". Die Anlage wurde in dieser Nutzung umgebaut und viele Räume neuen Funktionen zugeführt.

Heute sind nur noch Fragmente der Anlage "Maybach I" vorhanden und nur der Nachrichtenbunker "Zeppelin" mit einer Besichtigung zu begehen. Die Anlage "Maybach II" wurde so umfangreich gesprengt, das nur noch marginale Fragmente vorhanden sind.

Wir hatten an diesem Wochenende Glück, das wir uns nicht nur die Anlage "Maybach I" anschauen konnten, sondern auch Tag der offenen Tür im Nachrichtenbunker war, welchen wir völlig frei und ohne Tourguide erkunden durften.

Ringstollen

Die Tour, die über die Bücherstadt Wünsdorf organisiert wird, startet in den letzten noch verbliebenen Fragmenten des unterirdischen Ringstollen.

Dieser Ringstollen verband die Bunkerhäuser der Anlage "Maybach I" untereinander. In der circa 1 Kilometer entfernten Anlage "Maybach II" war dies ebenso gehandhabt. Die Ringstollen waren nicht nur eine schnelle Art unterirdisch von Bunkerhaus zu Bunkerhaus zu kommen, sondern verbarg auch die moderne Technik und deren Verkablung. Die Besonderheit des Ringstollen "Maybach I" war der Stollen der die Anlage mit dem Fernmeldebunker "Zeppelin" verband.

Der Ringstollen wurde im Zuge der Sprengungen stark beschädigt und ist nur zu Teilen überhaupt noch zu begehen.

Bunkerhäuser

Nachdem wir den Ringstollen besichtigt hatten, ging es daran das oberirdische Areal zu begehen. Neben den Resten der Bunkerhäusern, welche völlig unterschiedliche Zerstörungsgrade durch die unterschiedlichen Sprengmethoden aufweisen, hat sich die Natur einen beträchtlichen Teil zurückerobert.

Selbstverständlich ist eine Begehung der Bunkerhäuser selber nicht möglich. Durch die Sprengungen ist in keinster Weise zu kalkulieren wie die Fragmente überhaupt belastbar sind. Unser Tourguide erzählte davon das sich Teile der Bunkerhäuser über Nacht bewegen und Teile einstürzen die man als eher stabil und sicher betrachtet hatte. Jeder Schritt in die noch bestehenden Bunkerhäuser kann der Letzte sein, es herrscht hier absolute Lebensgefahr.

Nach der äußerst kundigen Tour war der Wissensdurst der Gruppe immer noch nicht gestillt und wir machten uns auf Richtung "Garnissonsmuseum Wünsdorf". Zum dortigen Verein hatten wir Vorfeld Kontakt aufgenommen und wurden unglaublich nett empfangen. Den Besuch hier werde ich in einem gesonderten Beitrag dokumentieren.

Fernmeldebunker "Zeppelin"

Am nächsten Tag fand der "Tag der offenen Tür" im Fernmeldebunker "Zeppelin" statt.

Der Bunker, oder auch Fernmeldeamt 500, wurde im Auftrag der deutschen Regierung von der Reichspost zwischen 1937 und 1939 erbaut. Mit der verbauten Fernmeldetechnik war der Tiefbunker mit dem Besten ausgestattet was man zur damaligen Zeit für Geld kaufen konnte. Hier war die Dreh- und Schaltzentrale zwischen offiziellen Militär- und Regierungsstellen in Berlin und den Oberkommandos in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Der Fernmeldebunker war während des Krieges der modernste und wichtigste Fernmeldeknoten im gesamten Kommunikationssystem des Deutschen Reiches.

Anfahrt

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